Prächtige weiße Katzen spazieren herum in der anmutigen Gesellschaft großäugiger reiner Frauen in einem ausgedehnten Garten mit rauschenden Flüssen!
So beschreibt Mohammed das Paradies. Dieser heilige Prophet von mehr als 600 Millionen Ismailiten, liebte Katzen genauso leidenschaftlich wie Frauen, deren er in Medina nicht weniger als neun geheiratet hatte.
Nepo
Eines Tages liegt Mohammeds Lieblingskatze MUEZZA in tiefem Schlaf auf einem Mantelzipfel des Propheten. Dieser wird plötzlich dringend abgerufen. Er will sein Lieblingstier jedoch unter keinen Umständen stören, mit einem Zug seines Krummschwertes trennt er den Zipfel von seinem Mantel. darauf schleicht er sich zärtlich umsehend auf den Zehen gehend aus dem Zimmer.
Durch sein Vorbild werden Katzen bis zur heutigen Zeit in der ganzen islamischen Welt sehr geachtet. Man vergisst es zwar öfters aber auch bis hierher nach Europa erstreckt sich die islamische Welt. Offiziell säkular, ist die Türkei in der Praxis das einzige islamische Land Europas. Von dieser islamischen Tradition aus sind die Türken über alle Maßen stolz auf ihren nationalen Liebling des Propheten; die halblanghaarige, oder auf türkisch: "ANKARA KEDI" (weiß-odd-eyed)
Dieser Stolz geht sehr weit. Der türkische "Vater des Vaterlandes" ist Mustapha Kemal. Er war der diktatorische Führer der heftig nationalistischen Jungtürken. Am 1. November 1920 ruft er die türkische Republik aus. Die Türken dürfen nicht länger diese roten Blumentöpfchen auf ihren Köpfen tragen, die sie "FEZ" nennen; Ihre Frauen sollen die Schleier ablegen. Schluss ist es mit den Harems und alle sollen lesen und schreiben lernen. Das dankbare Volk nennt Kemal künftig ATATüRK: Der Vater aller Türken. Der Volksglaube sagt, dass ATATüRK, der 1938 gestorben ist, eines Tages auf die Erde zurückkehren wird, aber dann als Katze und zwar als eine weiße Türkisch Angora mit einem blauen und einem orangefarbenen Auge. "Türkisch Angora weiß odd-eyed"
Noch einen netten Glauben haben die Türken über ihre nationale Katze unter ihnen bestehen Wunschkatzen. Wenn man etwas haben möchte, nimmt man solch eine Wunschkatze auf den Schoß und flüstert ihr sanft ein Verlangen ins Ohr.
Darauf gibt man ihr reichlich Leckerbissen. Will die Katze davon fressen besteht die Chance, dass der Wunsch erfüllt wird.

Weniger nett ist, dass die Türken trotz all dieses Aberglaubens wohl herzlich wenig Sorgfalt verwendet haben auf ihr nationales Sinnbild. Sie bilden die Türkisch Angora zwar in großer Zahl auf ihren Briefmarken ab, aber im Alltag kam die Katze fast nicht mehr vor. Um sie vor dem Aussterben zu behüten, wurden in den 60-iger Jahren einige der letzten Tiere in einem kleinem Tiergarten nahe bei Ankara aufgenommen. Dieser gehörte zum Mustergut "ATATÜRK CIFTLIGI". Dort hält man nur weiße Türkisch Angora.

Viele Katzenrassen tragen einen geographischen Namen. In den meisten Fällen ist der Zusammenhang zwischen dem Tier und dem Land reiner Fantasie entsprungen. So kommt die Heilige Birma Katze nicht aus Birma, die Somali nicht aus Somalia und die Balinese nicht von Bali. Kommt die Türkisch Angora nun wohl aus der Türkei? Sagen wir es so: diese Katze kommt in jedem Fall aus dem Gebiet, wovon behauptet wird, das sie abstammt. Die Hochebenen südlich des Kaukasus.
Jedenfalls ist die Türkisch Angora eine der ältesten Katzenrassen. Beschreibungen gehen zurück bis in das späte Mittelalter. Schon seit Jahrhunderten hatten Karawanen Handelsware aus China nach dem mittleren Osten transportiert. Im 16. Jahrhundert wurden Güter auch weiter verschifft nach Italien und von dort aus nach Frankreich und England. Damals brachten Handelsleute aus Kleinasien einige langhaarige weiße Katzen mit. Diese hatten schmale Köpfe, weiße Stechohren und lange gerade Nasen. Kurzum, es waren Türkisch Angora.
Diese weißen Katzen wurden bald "französische Katzen" genannt. Sie hatten unveränderliche blaue Augen und wurden in alten Beschreibungen gerühmt wegen ihres außerordentlichen ruhigen und unerschütterlichen Charakters. Kein Wunder weis man jetzt; die Mehrzahl war Hereditär - stocktaub! In dem Bildband des berühmten Franzosen Buffon "Naturgeschichte", datiert von 1756, wird so eine schlanke zierliche Angora dargestellt mit langen wellenden Fell.

Erst später wurde die Perserkatze aus dieser Angora, in der heutigen Richtung, mit kurzer Nase und rundem Kopf gezüchtet. Der Perser wurde in kurzer Zeit ungeheuer populär und überflü gelte die ursprüngliche, viel schlankere Angora völlig. So dass viele Jahre lang und teilweise auch noch heute, das Wort Angora, dasselbe bedeutet wie Perser.
Justin
So wurde die Rasse "Türkisch Angora" sowohl im Ausland als auch im Lande der Herkunft verdrängt und vom Aussterben bedroht. In der Türkei wurde in letzter Minute eine Rettungsaktion gestartet. Die Tiergärten Ankaras, Hauptstadt der Türkei, und Istanbuls, die größte Hafenstadt am Bosporus und dem Marmarameer, fügten Angora ihren Sammlungen bei. Die Geschichte will, dass diese ein striktes Zuchtprogramm durchführen für eine reinweiße Türkisch Angora. Der Direktor des Tiergartens Ankaras verneint dies jedoch persönlich, aber auf Fragen, was mit den dort geborenen farbigen Jungtieren passiert, sind definitiv keine Antworten zu erwarten. Wohl ist es aber war , dass die Tiergärten es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Angoras zu schützen. Es war und ist demzufolge äußerst schwierig, ein Pärchen aus der Türkei zu bekommen.
Dem Zoologen Dr. Michael Reimann gelang es ein Pärchen aus der Türkei zu importieren. Diese Tiere trugen den Namen Turkye -Ithal's (Türkei- Import). Die daraus gezüchteten Tiere des Herrn Reimanns tragen den Namen "Tha Makkuas". Echte Importtiere haben nie einen Züchternamen; diese Tiere tragen nur ihren Rufnamen und bekommen eventuell den Namen der Stadt, wovon sie herkommen noch als Zuatz mit dazu, z. B. Bonni - ankara.
Eine andere Züchterin Namens Mardak züchtete ebenfalls aus Importkatzen unter dem Züchternamen "Ueskurdarsaray".
Im Laufe der Zeit fanden ich viele Liebhaber dieser Rasse und die Züchtung der Tiere breitete sich in ganz Deutschland aus. Doch bis heute sind es sehr wenige Züchter, die sich bei ihrer Zucht auf den ursprünglichen Typ der Türkisch Angora konzentrieren.

Die Angoras sind, was ihr Inneres betrifft -vorausgesetzt sie werden wie Haukatze gehalten- herrliche Tiere. Alle Katzen sind intelligent, aber die Angoras zeigen in dieser Hinsicht noch ein gewisses Extra vor. Sie binden sich stark an eine einzelne Person, sogar wenn sie im Familienkreis aufwachsen. Sie wählen sich ein Mitglied der Familie aus. Mit ihrer Liebe halten sie dann nicht gerade hinter dem Berg. Auch Besuchern gegenüber sind sie freundlich und aufgeschlossen, fordern diese gern zu einem Spielchen auf oder nehmen sie auch als Liegeplatz in Anspruch. Schoßkatzen oder solche "mit Knopf im Ohr" sind sie nicht, aber sie mögen es ständig in der Nähe derjenigen zu sein, die sie lieben. Dann fordern sie viel Interesse und Aufmerksamkeit.
Willowby
Sie haben die rührende Angewohnheit, einem mit ihren Pfötchen sanft ins Gesicht zu klopfen, auch knabbern sie manchmal zärtlich am Ohrläppchen. Besonders nackte Zehen haben es ihnen angetan. Genau wie ihr Schmusen kennt ihre Spielfreude keine Grenzen. Sie sind gerade deshalb geeignete Spielkameraden für Kinder. Beobachtet man zwei oder drei Jungtiere beim Spielen, gibt es viel Anlass zum herzlichen Lachen.
Sie apportieren auch gern Spielsachen, ohne dieses Spiels müde zu werden. Hört man dieses Spiel auf, tragen sie das betreffende Spielzeug laut schnurrend hinter einem her.
Dieses verspielte anschmiegsame Wesen verlieren sie auch im Alter nicht. Mit ihrem natürlichen Charme und ihrer anpassungsfähigen Unbekümmertheit bezaubern sie jeden, der sie kennt. Dank dieses Wesens vertragen sie sich mit allen anderen Artgenossen und auch mit Hunden sehr gut. Jeder wird von ihrem Anmut beim Spiel, von ihrem seidenweichen Fell und ihrer großen Liebe, den Menschen gegenüber, verzaubert sein.

Damit diese seltene Rasse in ihrem unverwechselbaren Aussehen und ihrer Ausstrahlung ihre Liebhaber und Anhänger in Deutschland findet, wird diese edle Katze in all ihren eigenen Farben, aber auch in wenigen anderen Farben gezüchtet. Auch bei Fremdverpaarungen mit anderen Rassen wird immer auf ihr unverwechselbares und ihr urtypisches Aussehen geachtet, denn Farben wie chocolat und lilac sind leider nicht ohne Fremdrassenverpaarungen möglich. Für den Laien sind diese Tiere dann durch ihren Stammbaum als "andere Halblanghaar (EXP)" gekennzeichnet!!
Sollte Ihnen die Rasse genauso gefallen wie uns, können sie gern und unverbindlich bei uns vorbeischauen. Sie haben dann die Gelegenheit, sie einmal "live" zu erleben.

Bezugsquellen:
- Ein Bericht des Richters Jean-Paul Maas, Kenner und Liebhaber dieser Rasse
- Türkisch Angora Buch von Ursula Aust, erschienen im Paul Parey Verlag
- sowie gesammelte Erfahrungen im Zusammenleben mit dieser wunderschönen Rasse

Verfasser dieses Berichtes sind: A. Wagener und B. Schneider

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